Äsche in der Gera und Hamster im Feld

Äsche in der Gera und Hamster im Feld

Erfurts wilde Stadtbewohner

Das wilde Tierleben in der Großstadt Erfurt

Ein kleiner Erfurter hatte sich vom Acker gemacht. Auf der Suche nach einem neuen Revier verlor er vermutlich die Orientierung und landete an einer stark befahrenen Straße in der Innenstadt. Direkt vor einem Wohnhaus grub sich der Feldhamster seinen Bau. Zum Glück haben die Bewohner den heimlichen neuen Untermieter bemerkt. Mit ihrer Hilfe kam er gut über den Winter. Nun soll er auf ein Feld am Stadtrand umgesiedelt werden.

Im Süden des Thüringer Beckens sind die Böden fruchtbar und locker - beste Bedingungen für die in Deutschland streng geschützten Nager. In den großen Monokulturen der modernen Landwirtschaft sind sie vom Aussterben bedroht.

Auf den Feldern eines Erfurter Blumensaatzuchtbetriebes fühlen Hamster sich offensichtlich ebenfalls sehr wohl. Einen Meter unter der Erde kommen im Sommer die Jungen zur Welt. Nach etwa vier Wochen werden sie selbstständig und müssen sich eigene Baue graben. Hier wachsen die Kulturen abwechslungsreich, und viele Pflanzen bleiben zur Samengewinnung bis in den Spätherbst stehen. Die Mitarbeiter des ökologisch wirtschaftenden Betriebes verschmerzen die Blumensamen gern, die als Wintervorrat in zahlreichen Hamsterbacken in die Baue getragen werden.

Auch die Äsche ist gefährdet, denn sie stellt hohe Ansprüche an die Wasserqualität. Mit viel Engagement sorgen die Mitglieder des Landesanglerverbandes Thüringen dafür, dass die seltene Fischart im Erfurter Flutgraben und in der innerstädtischen Gera erhalten bleibt.

Turmfalken kommen zahlreich zum Brüten in die Stadt. Die besten Turmplätze sind schnell besetzt. Im dritten Stock eines Mehrfamilienhauses wählt sich ein Nachzüglerpaar den Blumenkasten vor dem Küchenfenster als Kinderstube. Die Mieter freuen sich über das unmittelbare Naturerlebnis.

Ungewöhnlich nah in menschliche Nachbarschaft sind auch Rotmilane gezogen. Im Erfurter Stadtteil Gispersleben kreisen die scheuen großen Greife tief über den Häusern, in deren Umgebung ihr Horst versteckt sein muss.

Der Altstadtkern von Thüringens Landeshauptstadt ist berühmt. Zwischen den liebevoll sanierten Fachwerkhäusern lassen die Wasserläufe der Gera ein kleines Venedig entstehen. Unter den Brücken schwimmen Forellen im Fluss, und an der berühmtesten, der Krämerbrücke, geht in der Nacht die Wasserfledermaus auf Jagd.