Mein Freund Rockefeller

Mein Freund Rockefeller

„Mein Freund Rockefeller“ ist die Geschichte eines Hochstaplers, der das FBI so lange wie kein anderer in Atem hielt: Christian Karl Gerhartsreiter alias Clark Rockefeller. Ein Mann aus Bayern, der es mit wechselnden Identitäten bis in die oberste Sphäre der amerikanischen Gesellschaft schaffte und sich dort über Jahrzehnte hielt. Im Jahr 2008 geriet er erstmals in die weltweiten Schlagzeilen: Er hatte seine Tochter gekidnappt. Im Jahr darauf wurde er von einem Gericht in Massachusetts verurteilt. Im April 2013 befand eine Jury ihn sogar des Mordes schuldig. Ein Verbrechen, das er vor fast 30 Jahren in Kalifornien begangen haben soll.

Am Tag der Scheidung schrieb er einem Freund in New York: „Heute Versailles unterzeichnet. Nicht gerade mein bester Tag.“ Man könnte auch sagen, es war der Tag, als der Mann, der sich Clark Rockefeller nannte, alles verlor. Seine Tochter, seine Wohnsitze und den Zugriff aufs Konto. Und natürlich seine Frau, aber das wird ihn am wenigsten bekümmert haben. Er fasste einen Plan, er würde sich sein Kind wiederholen. Würde es kidnappen. Aber der Plan ging schief. Er hatte ausnahmsweise nicht zwei Schritte voraus gedacht, hatte nicht umrissen, welches Medienspektakel ein Rockefeller auf der Flucht auslösen würde. Nun war sein Fahndungsfoto auf allen Kanälen. Die Freunde, die versuchten ihn anzurufen, klingelten ins Leere. Die Freunde, die dachten, ihn zu kennen und die mit jedem weiteren Tag merkten, sie wussten fast nichts. Sie lernten aus den Nachrichten, dass er nicht nur kein Rockefeller-Erbe war - sondern gar kein Rockefeller. Dass er ein ganzes Dutzend Aliasse hatte und einen Geburtsnamen, der für Amerikaner so unaussprechlich ist, dass die Zeitungen hinter „Gerhartsreiter“ die Lautschrift „GAYR'-hahrtz-ry-tur“ stellen. Dieser Name stand in seinem Pass, mit dem er 1978 in den Vereinigten Staaten mit einem Touristenvisum eingereist ist. Vorname: Christian Karl. Heimatland: Bayern, Germany. Ein Hochstapler, der nun im Gefängnis sitzt, der Generationen von Psychiatern beschäftigen wird. Die Menschen, die dachten ihn zu kennen begeben sich auf eine Spurensuche.